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Therapieren statt Apportieren

"Pia, Flasche! Flasche!" − Nein, Pia ist natürlich keine Flasche, ganz im Gegenteil: Die Golden-Retriever-Hündin hat erfolgreich die Ausbildung zum Therapiehund absolviert. Das Kommando "Flasche", die Übung mit der Flasche, ist für sie ein Kinderspiel. Durch sanftes Stupsen mit Pfote und Schnauze dreht sie die Plastikflasche so, dass das Leckerli darin herauskullert. Auch Schäferhündin Aika und das Australian-Sheperd-Weibchen Mika kennen diese und viele andere Übungen, haben die drei doch die Ausbildung gemeinsam abgeschlossen.
"Ein Therapiehund ist für Menschen da"
"Ein Therapiehund ist für Menschen da", erzählt Susanne Kiermayer. In Kindergärten, Altenheimen oder in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung kommen die Hunde zum Einsatz. Seit Juli können Susanne Kiermayer (Kirchberg), Martina Mühlehner (Zwiesel) und Monika Linde (Teisnach) mit ihren Hunden diese Therapiemöglichkeiten anbieten. Die Arbeit mit Hunden ist für sie nichts Neues, alle haben zwei Hunde, Susanne Kiermayer ist zudem ausgebildete Tierphysiotherapeutin mit Praxis in Kirchberg.
Doch nicht jeder Hund eignet sich zum Therapiehund. Daher gibt es, bevor die Ausbildung beim Deutschen Berufsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde (DBTB) beginnt, eine Eignungsprüfung. "Es wird das Aggressionspotential, die Verträglichkeit geprüft, ob er sich anfassen lässt", weiß Kiermayer. Mit unerwarteten Geräuschen werden die Hunde konfrontiert, werden erschreckt, vereinsamt, angestarrt. "Das ist schon ein Stresstest", so Kiermayer.
Diese Tests sind unheimlich wichtig, schließlich sollen die Therapiehunde auch zwischen lärmenden Kindergartenkindern ruhig bleiben, dürfen in ungewohnten und unangenehmen Situationen nicht aggressiv werden. Pia, Aika und Mika haben diesen Test bestanden. "Ich bin definitiv gefährlicher als mein Hund", sagt Kiermayer und lacht.
In Schleicher fand dann von Oktober 2010 bis Juli 2011 jedes Wochenende die Ausbildung statt. Belastbarkeit, Parcoursgehen, Rollstuhlfahrer begleiten, auf Kommandos hören und vieles mehr. Aber auch die Besitzerinnen waren gefordert. "Soziologie, Kynologie, Genetik, Recht, die Geschichte des DBTB und Erste Hilfe", erinnert sich Monika Linde, die im Altenheim als Betreuungskraft für Demente arbeitet, an den straffen Stundenplan. Bei dem erforderlichen Zeitaufwand musste die Familie erstmal zurückstecken. Doch ist es gerade diese zeitaufwendige Qualifizierung, die den Unterschied zwischen Therapiehunden und und nur hobbymäßig ausgebildeten Hunden ausmacht.
Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 12.10.2011






