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22.05.2012 - Sie sind hier: Aktuelles - Nachrichten

Pflegeausbildung in Bewegung

Pflegeausbildung in Bewegung

Krankenschwester ist der Traumberuf von Ramona Kölbl. Um aber ihren Berufswunsch verwirklichen zu können, musste die junge Frau aus Kirchberg den Landkreis Regen verlassen und ins Klinikum nach Passau pendeln. Denn bisher gab es im Landkreis Regen keine Möglichkeit, die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger zu absolvieren. Das wird sich jetzt ändern: Ab dem kommenden Schuljahr bietet das Mädchenwerk Zwiesel die Ausbildung in Kooperation mit den Kreiskrankenhäusern Zwiesel und Viechtach an − und geht dabei einen vollkommen neuen Weg. Generalistische Pflegeausbildung lautet das Schlüsselwort.
Auch im Landkreis Regen werden wohl in Zukunft Pflegefachkräfte knapp werden, insbesondere deshalb, weil der Bedarf an Fachkräften in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und bei ambulanten Pflegediensten angesichts der demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren noch massiv zunehmen wird. Was Krankenpflegeschulen angeht, ist der Landkreis bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte, die nächsten befinden sich in Freyung, Deggendorf und Cham.
Das Mädchenwerk und die Kreiskrankenhäuser Zwiesel-Viechtach bemühen sich deswegen seit geraumer Zeit, dieses Fachpersonal künftig in der eigenen Region rekrutieren und ausbilden zu können. Der Kooperation beider Partner ist es zu verdanken, dass ab Herbst zum ersten Mal eine integrierte Pflegeausbildung mit so genannter generalistischer Ausrichtung angeboten werden kann, und zwar im Rahmen des Schulversuchs „Generalistische Pflegeausbildung mit beruflichem Schwerpunkt in Bayern“ des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus.
Kurz gesagt bedeutet das, dass die Ausbildungen Krankenpflege und Altenpflege in einem Ausbildungsgang erfolgen können. Konkret: Mit Beginn des Schuljahres 2011/12 wird an der Berufsfachschule für Altenpflege des Mädchenwerks neben der Ausbildung in der Altenpflege auch die ebenfalls dreijährige Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege möglich.
Die Schüler müssen sich zu Beginn der Ausbildung entscheiden − entweder für den Berufsabschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger oder für den Berufsabschluss als Altenpfleger. Entsprechend dieser Wahl erfolgt die Bewerbung für den praktischen Ausbildungs-teil bei den Kreiskrankenhäusern Zwiesel-Viechtach oder wie bisher bei einer Einrichtung der ambulanten oder stationären Altenhilfe.
Der Unterricht für die beiden Berufsabschlüsse ist überwiegend gemeinsam, nur in 400 Differenzierungsstunden wird der spezielle Unterricht für den jeweiligen Berufsabschluss erteilt. Vollkommen neu ist allerdings, dass die Auszubildenden 700 Stunden der praktischen Ausbildung im jeweils anderen Schwerpunktbereich absolvieren müssen, also angehende Krankenpfleger in Einrichtungen der Altenpflege und angehende Altenpfleger im Krankenhaus. Neben dem eigentlichen Berufsabschluss erhalten die Absolventen ein zusätzliches Zertifikat über die generalistische Ausbildung.
Die Verantwortlichen aus beiden Institutionen freuen sich sehr über diese Neuerung, das haben sie am Donnerstag bei einem Pressegespräch noch einmal deutlich gemacht. „Für uns ist das ein Schritt von außerordentlicher Bedeutung, der vergleichbar ist mit einer Schulneugründung“, betonte Mädchenwerk-Vorstand Johann Forster. Schule und Träger hätten die zusätzliche Belastung gerne auf sich genommen, weil damit die Pflegeausbildung im Landkreis als Ganzes abgesichert werde. Das gelte insbesondere für den Bereich der Altenpflege; hier mangele es zwar nicht an Ausbildungswilligen, aber an der Zahl von bezahlten Ausbildungsplätzen. Der zeitlich unbefristete Schulversuch zur generalistischen Pflegeausbildung helfe indirekt mit, die Altenpflegeausbildung dauerhaft zu sichern.
„Der Bedarf an Pflegekräften ist jetzt schon groß und er wird noch weiter steigen“, weiß Krankenhaus-Vorstand Alfons Groitl. Er begrüßt es deswegen sehr, dass die Kreis-Kliniken ihre Nachwuchskräfte in Zukunft selbst ausbilden können. „Unsere Zielsetzung ist, diesen Auszubildenden später auch einen Arbeitsplatz in unseren Krankenhäusern anbieten zu können. Die Chancen dafür sind sehr gut“, sagt Personalleiter Christian Schmitz.
Auch Dekan Josef Ederer, Vorsitzender der regionalen Pflegekonferenz im Landkreis Regen, beglückwünschte die Partner zu diesem Schulversuch: „Unsere Gesellschaft wird immer älter, da ist es sehr sinnvoll, die Ausbildung von Pflegekräften zu forcieren“, sagt er.
Schulleiter Oskar Heindl sieht das Mädchenwerk für die neue Herausforderung gut gerüstet. So habe man bereits intensive Kontakte mit neuen Lehrkräften geknüpft. Insgesamt bieten die Kreiskrankenhäuser Zwiesel-Viechtach ab Herbst zehn Ausbildungsplätze zum Gesundheits- und Krankenpfleger an. Interessierte sollen sich schriftlich bis 20. Mai bewerben. Informationen rund um die neue Ausbildung erteilt auch das Mädchenwerk.

Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 06.05.2011