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22.05.2012 - Sie sind hier: Aktuelles - Nachrichten

Moor − viel mehr als nasse Wiese

Moor − viel mehr als nasse Wiese

Das Wasser kommt von unten und oben: Von oben in Form feinsten Nieselregens, von unten steigt es bei jedem Schritt aus dem Boden. Wasserdichtes Schuhwerk, idealerweise Gummistiefel, sollte man schon mitbringen, wenn man sich dieses aufwändig renaturierte Naturschutzgebiet anschauen möchte. Die Rede ist von den Ruselmooren, genauer von dem Naturschutzgebiet "Todtenau und umgebende Auen" bei Dornhof bei Kirchberg.
Um den Erfolg der abgeschlossenen Flurneuordnung der Ruselmoore vorzustellen, haben sich die federführenden Beteiligten im Moor versammelt. Auch der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, der als "oberster Bodenordner" des Freistaates das Projekt unterstützte, hat sich in Gummistiefeln eingefunden, um sich mit eigenen Augen von der schützenswerten Schönheit der Ruselmoore und dem Erfolg der Maßnahmen zu überzeugen.
Angefangen hat alles 1983: Damals wurden Naturschützer auf den Plan gerufen. "Es gab Pläne im Gebiet Badetorf abzubauen", berichtet Rosmarie Wagenstaller von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Um dies zu verhindern, wies man die Moore als Naturschutzgebiete aus. Im verstorbenen Landrat Heinz Wölfl, dessen die Anwesenden vor der Wanderung ins Moor mit einer Schweigeminute gedachten, fanden die Ruselmoore einen "begeisterten Verfechter", erinnert sich Horst Klarhauser, der das Projekt leitete.

Naturschutzgebiet statt Badetorf

Die Reischauwiesen mit einem Moortümpel. Das Gebiet ist ein FFH-Gebiet, ein Flora-Fauna-Habitat.

Die Reischauwiesen mit einem Moortümpel. Das Gebiet ist ein FFH-Gebiet, ein Flora-Fauna-Habitat.

Ziel der Maßnahmen, die vor einem Jahrzehnt anliefen, war und ist, den Lebensraum Moor wiederherzustellen, der ein wichtiges Biotop für Flora und Fauna darstellt. Dazu wurden vorhandene Fichtenbestände aus Aufforstungen von Streuwiesen in den 50er und 60er Jahren beseitigt, das Gelände "entfichtet". Um die Moorbildung zu aktivieren, wurden Vernässungsmaßnahmen durchgeführt, vor allem indem man Wasser aufstaute. Auch legte man zwischen den Kerngebieten Verbindungskorridore an, um ein zusammenhängendes Gebiet zu schaffen. Ein weiteres Ziel war die Wiederansiedelung des Birkhuhns.
Das ist zwar (bisher) nicht gelungen, aber dafür wurde ein Lebensraum für andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten geschaffen. "Wir haben Schwarzstörche und sogar Haselhühner", freut sich Horst Klarhauser. Auch der vom Aussterben bedrohte Hochmoorlaufkäfer findet in dem Gebiet um die Kernmoore Todtenau, Reischau, Dorner Au, Muckenau und Höllenau einen geeigneten Lebensraum, ebenso wie seltenen und bedrohte Pflanzen, beispielsweise der Sonnentau.
148 Hektar ist das geschützte Gebiet groß, acht davon liegen im Landkreis Deggendorf. Damit möglichst viel Moorfläche wiederhergestellt werden kann, wurden in 44 Maßnahmen 38 Hektar schwer nutzbarer Moorfläche von Privatleuten im Zuge der Flurneuordnung gegen wirtschaftlich-nutzbare Flächen oder Waldstücke eingetauscht.
Dr. Alfons Hassfurter war der erste, der sich bereit erklärt hat sein ererbtes Land umzutauschen: "Ich hab es gemacht, weil Horst Klarhauser für das Projekt gebrannt hat. Und das hat mich angesteckt", erklärt er.
51 Prozent der Flächen sind jetzt in öffentlicher Hand, der Großteil davon im Besitz des Landkreis Regen und des Freistaats. Auch die Gemeinde Kirchberg besitzt zwei Flächen. Durch den Kauf der Moorflächen kann ein nachhaltiger Schutz der Natur sicher gestellt werden. Der Haushalt sei durch die Käufe nicht belastet worden, da man die Maßnahmen durch Tausch oder aus den Wirtschaftswäldern und aus Fördergeldern finanzierte, wie Lieselotte Bielmeier vom Landratsamt in Regen berichtet. "Rund 630 000 Euro sind in das Projekt geflossen, die Hälfte davon vom Amt für ländliche Entwicklung", erläutert sie weiter.
Landwirtschaftsminister Brunner fand nur lobende Worte für alle Beteiligten und das gesamte Projekt. "Das ist ein wertvoller Beitrag zu der vielfältigen Kulturlandschaft", hebt er heraus. Die Ruselmoore seien ein Aushängeschild für gelungenen Natur- und Umweltschutz, der in der heutigen Zeit immer wichtiger werde, erklärt der Minister weiter.

"Wir haben der Natur etwas zurückgegeben"
Jetzt sei es nötig, die Wichtigkeit von Moorlandschaften pädagogisch zu vermitteln. "Man muss zeigen, dass wir der Natur hier etwas zurückgegeben haben", erklärte Brunner. Mit einem Lehrpfad, der von Kirchberg aus zu dem Moorgebiet führt und mit Informationstafeln soll ein Bewusstsein für diesen sensiblen Raum geschaffen werden.
Denn Moore seien nicht nur wertvoller Lebensraum, sondern auch Wasserspeicher und CO2-Speicher, weist Rosmarie Wagenstaller von der Unteren Naturschutzbehörde hin. Eins sind sie darüberhinaus, bemerkt Minister Brunner: "Naturschätze in unserem bayerischen Wald."

Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 10.09.2011