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Im Schneckentempo aus dem Dämmerschlaf

Allzu lang dürfte es jetzt nicht mehr dauern − das geplante Dorfkulturhaus an der Stelle der alten Schule wird konkreter, auch wenn es noch viele offene Fragen gibt. Ein Teil des Schulgebäudes wird zu einer Kfz-Werkstatt erweitert, der andere Teil soll eventuell noch im August abgerissen und mit Hilfe von Leader-Fördermitteln wieder neu aufgebaut werden. Etwas kleiner als bisher, aber modern und energetisch auf dem neuesten Stand.
Neben der Frage, ob man sich die Gemeinde mit dem Dorfkulturhaus an dem nationalen Wettbewerb für einen energieeffizenten Neubau beteiligen soll (siehe Kasten), geht es in der nächsten Gemeinderatssitzung am 17. August um die Fassadengestaltung. Es gibt hier mehrere Optionen. Die grundsätzlich Entscheidung muss zwischen Massivbau oder Holzbau gefällt werden. Bei der nächsten Gemeinderatssitzung sollen außerdem die Abrissarbeiten vergeben werden.
Es gibt auch noch Kleinigkeiten, die mit der unteren Baubehörde abgeklärt werden müssen, bevor das Dorfhaus dann tatsächlich Form annehmen darf. Laut Georg Oswald (Architekturschmiede Kirchdorf) ist die Stellplatzsituation nicht ganz geklärt, da die angegeben Parkplätze etwas abseits beim alten Sportplatz liegen. Oswald geht aber davon aus, dass dies von der Behörde so genehmigt wird.
Da ein Teil des alten Schulgeländes von der Gemeinde an eine Privatperson veräußert wurde, muss aus Sicht der unteren Bauaufsichtsbehörde auch noch geklärt werden, was dieser mit seinem Teil des Grundstücks zu tun gedenkt. Am kommenden Donnerstag will Bürgermeister Alois Wenig diese Frage klären.
Vor allem die BRK-Bereitschaft Raindorf, die Pfarrei und die Gemeinde sollen von dem neuen Dorfkulturhaus profitieren. „Wir freuen uns schon sehr auf die neuen Räume“, sagt Markus Hannes, Leiter der BRK-Bereitschaft Raindorf, „das ist eine echte Chance für uns.“ Die 143 Mitglieder starke Bereitschaft nutzt bisher für ihre Treffen und Weiterbildungen einen Lehrraum in der Mansarde des alten Schulhauses, wo es bei größeren Veranstaltungen ganz schön eng wird. Und ihre Einsatzfahrzeuge müssen die Einsatzkräfte 100 Meter entfernt parken.
„Mit dem Dorfkulturhaus haben wir dann alles unter einem Dach“, erklärt Hannes. Ins Erdgeschoss des neuen Gebäudes werden eine Garage für ihren Rettungswagen und ihren Gerätewagen Sanität integriert. Außerdem finden ein kleiner Besprechungsraum darin Platz, ein Raum für die Desinfektion sowie Umkleiden und Sanitäranlagen. Für größere Veranstaltungen und Vorträge steht der im Untergeschoss geplante rund 80 Quadratmeter große Kultursaal zur Verfügung, der durch eine Schiebewand in zwei Gruppenräume teilbar ist. „Das ist für uns ein echter Schritt nach vorn. Mit dem Saal können wir noch mehr Qualität in unser Angebot bringen“, erklärt Markus Hannes. Er erhofft sich von dem Dorfkulturhaus, dass auch bisher passive Mitglieder der Bereitschaft wieder öfter zu den Veranstaltungen kommen.
Zwar unterstützten in der Vergangenheit nicht alle Bürger uneingeschränkt das Dorfkulturhaus und die Belegung durch das BRK, berichtet Bürgermeister Wenig. Aber bei der im März eingebrachten Kritik handele es sich um Einzelstimmen, die den Rückhalt durch den allergrößten Teil der Bevölkerung nicht schmälerten.
Die Kosten für das Dorfkulturhaus werden sich auf 775 000 Euro belaufen. 279 000 Euro davon trägt die Gemeinde, 100 000 Euro kommen vom BRK, und rund 296 000 Euro wird die Leader-Aktionsgruppe (LAG) Regen aus ihrem Topf dazu beisteuern. Die LAG Regen ist mit ihrem Geschäftsführer Waldemar Herfellner und ihrer Vorsitzenden Katharina Zellner dafür verantwortlich, die Gelder aus dem EU-Förderprogramm Leader auf Projekte im Landkreis zu verteilen. Projekte, die gefördert werden, müssen einen positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Region leisten, sei es in ökologischer, wirtschaftlicher, kultureller, touristischer oder sozialer Hinsicht. „Diese Bedingungen werden beim Dorfkulturhaus eindeutig erfüllt. Vor allem in sozialer Hinsicht dient es der Bevölkerung und trägt damit auch zur Attraktivität des Landkreises bei“, betont Waldemar Herfellner, zugleich Regionalmanager des Landkreises.
Neben der BRK-Bereitschaft wird mit dem Dorfkulturhaus auch der Pfarrei Untermitterdorf mit ihren 950 Katholiken geholfen: Sie wird den Kultursaal ebenfalls nutzen und aus Geldern der Finanzkammer der Diözese einen Baukostenzuschuss in Höhe von 100 000 Euro beisteuern. „Wir hätten mit dem Saal mehr Möglichkeiten für die Sitzungen des Pfarrgemeinderats und der Kirchenverwaltung,“ sagt Pfarrer Bernhard Saliter, „und auch der Frauenbund und die Ministranten hätten dann mehr Platz für ihre Bildungsveranstaltungen und Aktivitäten. Vielleicht gelingt es in den neuen Räumen ja auch, eine Gruppenstunde für Jugendliche zu etablieren.“ Positiv sieht er zudem, dass es dann mehr Parkplätze und einen geeigneten Platz für das jährliche Pfarrfest Ende Juni gäbe.
Und natürlich können auch weltliche Veranstaltungen im Multifunktionssaal stattfinden: „Das Dorfkulturhaus ist mit dem schönen ehemaligen Schulgarten perfekt geeignet für Bälle und Feste“, freut sich Bürgermeister Alois Wenig. Bis zum Winter soll der Rohbau stehen, Fertigstellung ist für den Frühjahr/Sommer 2012 geplant.
Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 06.08.2011






