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22.05.2012 - Sie sind hier: Aktuelles - Nachrichten

Haus der Bienen macht als medizinischer Lehrsaal eine gute Figur

Haus der Bienen macht als medizinischer Lehrsaal eine gute Figur

Das Haus der Bienen in Kirchberg war bis auf den letzten Platz belegt: Gut 50 interessierte Besucher waren der Einladung des Fördervereins des Kreiskrankenhauses Zwiesel gefolgt. Zu den Themen "Arthrose − wenn der Körper auf der Felge fährt" und "Chirurgie ohne sichtbare Narben" hielten zwei Chefärzte des Zwieseler Kreiskrankenhauses, Christian Walter und Dr. Octavian Bud, Vorträge.
Benno Grassler, Vorsitzender des Fördervereins, sprach die Begrüßung und stellte die Chefärzte der Chirurgie und orthopädischen Chirurgie bzw. der Allgemein- und Viszeralchirurgie bzw. deren berufliche Stationen vor. Er betonte, dass man in Zwiesel "hochkarätiges Personal" vorweisen könne und sich sicher sein könne, in den besten Händen zu sein. In Vertretung des Bürgermeisters begrüßte Gerd Walter vom Haus der Bienen ebenfalls alle Anwesenden und freute sich über die außergewöhnliche Nutzung des Gebäudes, die normalerweise dem Thema Bienen vorbehalten ist.
Neben den beiden Chefärzten waren zwei weitere von insgesamt fünf Fachärzten der Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie des Zwieseler Krankenhauses gekommen, Assistenzarzt Dr. Pop und Oberarzt Dr. Bala.
Arthrose gehört zu den typischen Volkskrankheiten, und dementsprechend groß war das Interesse bei den Besuchern. Ziel jeder Arthrose-Behandlung, so Chefarzt Walter, ist die Schmerzfreiheit und die Erhaltung der Beweglichkeit. Je nach Grad der Schädigung des Knorpels bzw. des Knochens reicht das Behandlungsspektrum von konservativen Methoden wie Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung, Punktion, Hyaluronspritzen, Physiotherapie, medikamentöse Behandlung bis hin zur operativen Behandlung.
Zum Einsatz in Zwiesel kommen Teilendoprothesen bzw. Vollersatzprothesen. Die Patienten müssen nur wenige Tage im Krankenhaus bleiben und dürfen nach der Operation gleich aufstehen und sich bewegen. Die Lebensqualität der Patienten ist nach der Operation mit Unterstützung von Physiotherapie oder auch Reha-Maßnahmen bald wieder hergestellt, so dass sogar leichte Sportarten ausgeübt werden können. Ein künstliches Hüftgelenk oder Kniegelenk hält zwischen 15 bis 20 Jahren.
Im Anschluss referierte Dr. Bud über das Thema "Chirurgie ohne Narben". Der erste Schritt in diese Richtung war die Schlüsselloch-Operation, bei der etwa bei einer Bauch-OP nur noch vier kleine Schnitte nötig waren. Ein weiterer Schritt war die Operation durch den Nabel, wodurch man hinterher keine sichtbare Narbe mehr hat. Der Patient hat nicht nur optische Vorteile, er kann das Krankenhaus sehr viel schneller verlassen, oft sogar am Tag der OP, und es herrscht so gut wie Schmerzfreiheit. Als einer der ersten führte Dr. Bud diese Methode in seiner Zeit vor dem Zwieseler Krankenhaus im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg ein.
Mittlerweile werden viele Operationen von Dr. Bud über natürliche Körperöffnungen ähnlich wie bei einer Spiegelung durchgeführt, so dass man praktisch von Operationen ohne Narben sprechen kann. Der Körper des Patienten bleibt unversehrt und das Risiko der Operation wird dadurch auf ein Minimum reduziert. Großes Interesse bei den Besuchern weckte die Entfernung einer Silbermünze aus einem Magen, die im Film zu sehen war. Es gibt nur sehr wenige Kliniken in Deutschland, die mit dieser neuen Technik arbeiten.
Zum Schluss lud der Küchenchef des Kreiskrankenhauses Zwiesel, Hermann Graf, alle Teilnehmer zu leckeren Häppchen ein. Man konnte die einzelnen Teile einer Hüftprothese ansehen, außerdem eine Art OP-Simulator ausprobieren. Er zeigte, wie schwierig es ist, über den Bildschirm zu arbeiten und beispielsweise Fäden in Öffnungen einzufädeln. Für Fragen und Hilfestellungen standen Maria Vogl, OP-Leitung im Krankenhaus Zwiesel, sowie Andreas Probst, stellvertretender Leiter der Chirurgischen Ambulanz, zur Verfügung.

Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 03.02.2012