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21.05.2012 - Sie sind hier: Aktuelles - Nachrichten

72 Jahre Erfahrung verlassen die Schule

72 Jahre Erfahrung verlassen die Schule

Josef Hofbauer und Paul Frohnauer in der Freistellungsphase der Altersteilzeit.

Sie haben einiges gemeinsam: Paul Frohnauer und Josef Hofbauer, Lehrer der St.-Gotthard-Volksschule Kirchberg i. Wald.
Über einen Umweg fanden sie zum Lehrerberuf, nach den Ausbildungsjahren kamen sie nach Kirchberg, wo sie nach insgesamt 72 Dienstjahren gemeinsam das Ende des Schuldienstes feierten.
Ab dem kommenden Schuljahr befinden sich die zwei Pädagogen für zwei Jahre in der Freistellungsphase der Altersteilzeit, bevor auch amtlich Dienstschluss ist. Die Wertschätzung, die die beiden Lehrkräfte an der Schule genossen, wurde bei den Abschiedsfeierlichkeiten deutlich.
Der Lehrerchor empfahl für den Ruhestand "Versuch es mit Gemütlichkeit". Verena Friedrich und Manuel Hofbauer entlockten in einem Interview Hofbauer und Frohnauer eingige Geheimnisse. Sepp Hofbauer, so erfuhren die Schüler, hat nach dem Studium der Theologie zum Lehreramt gefunden. 1973 trat er die erste Dienststelle in Zinzenzell an, seit 1980 unterrichtet er in Kirchberg überwiegend Hauptschulklassen.
Paul Frohnauer hat nach dem Studium des Agraringineurswesens die Liebe zur Pädagokik entdeckt. Seit 1975 war er im Lehreramt tätig. Abgesehen von den Zeiten der "mobilen Reserve" war er dabei abwechselnd an der Grund- und Hauptschule Kirchberg eingesetzt.
Gelächter bei den Schülern und verständnisvolles Schmunzeln erntete Hofbauer mit der Antwort auf die Frage, worauf er sich am meisten freue: "Ich freue mich auf den Morgen des 14. Septembers, der Tag, an dem das neue Schuljahr für euch und die Kollegen beginnt."
Frohnauer dagegen wil keine Uhren mehr sehen. "Für mich soll die Zeit keine Rolle mehr spielen". Mit Geschenkkörben voller gesunder Lebensmittel drückten die Schülervertreter den Wunsch nach einer langen Ruhestandszeit aus. Stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Martina Rechenmacher erzählte, dass sie selber als Schülerin die beiden Lehrkräfte kennengelernt und ihren Unterricht schätzen gelernt habe. Auch Bürgermeister Wenig schloss sich den Worten an, dankte den Lehrern für ihr jahrzehntelanges pädagogische Wirken.
Bei den "irischen Sehenswürdigkeiten", vom Lehrerchor dargeboten, bemerkte man auch bei den beiden altgedienten Lehrkräften, dass sie nicht ganz ohne Wehmut die liebgewonnene Schulfamilie verlassen.
Am letzten Schultag nach dem letzten Gongschlag vor den Ferien tragen sich im Gemeinschaftsraum der Schule Wegbegleiter in der beruflichen Laufbahn zu einer letzten gemeinsamen Zusammenkunft. Schulrätin Heidemarie Horenburg charakterisierte sie treffend. Sie habe sie stets als optimistische Lehrerpersönlichkeiten, die immer das Gute im Kinde gesehen haben und es in ihrer Bildung bestärken wollten, kennengelernt. Schulleiter Rudi Wagner beschrieb in einer nicht immer ganz ernst gemeinten allerletzten dienstlichen "Anlassbeurteilung zum Eintritt in den Vorruhestand" die Pensionsanwärter. Hofbauer zeichnet sich demnach durch große Geduld und Überzeugungswillen aus. In der Arbeitsgemeinschaft Schulspiel habe er den Nachwuchs herangezogen, der jetzt in der Kirchberger Hi- und Do Theatergruppe weiterhin für Aufsehen sorge. Frohnauer habe die Schüler durch väterliche Strenge und der Anerziehung christlicher Werte vor allem im Religionsunterricht in den Klassen eins bis neun Hilfen zur Lebensbewältigung vermittelt. Das Kollegium wollte seinen nunmehrigen Exkollegen den Übergang in den Ruhestand erleichtern, indem es ihnen Wellness-Gutscheine spendierte.


Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 03.08.2010