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21.05.2012 - Sie sind hier: Aktuelles - Nachrichten

Von der Leistungssportlerin zur Tier-Physiotherapeutin

Von der Leistungssportlerin zur Tier-Physiotherapeutin

An der Halskette von Susanne Kiermayer baumelt eine silberne Hundepfote, und vielleicht ist dieser Schmuck auch ein Beleg dafür, dass Susanne Kiermayer gerade auf dem Weg in ein neues Leben ist. Aber davon später.
Zu ihrem früheren Leben gehört auch eine Begebenheit, die sich erst vor ein paar Tagen ereignet hat. Plötzlich stand eine Kontrolleurin der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) in Kirchberg am Amthofplatz vor der Tür. Für eine unangemeldete Dopingkontrolle. Susanne Kiermayer war ein bisschen überrascht. „Ich bin doch nicht mehr aktiv“, sagte sie erstaunt. Aber die NADA-Dame blieb hart. So lange ein Sportler im Kader ist, so lange wird er auch kontrolliert. Und wenn er noch so oft seinen Rücktritt bekanntgegeben hat. Er könnte ja wieder anfangen.
„Nein, wenn Schluss ist, dann ist Schluss“, sagt Kiermayer; wie sie den Satz sagt, duldet er keine Widerrede. Ihre Zeit als aktive Wurftaubenschützin ist vorbei, die Deutschen Meisterschaft in München-Hochbrück war der letzte Wettkampf, 18 Jahre lang war sie Mitglied der Nationalmannschaft, 23 Jahre lang hat sie aktiv geschossen. 1996 hat sie bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Silbermedaille geholt. War das ihr persönlicher Höhepunkt im Sportlerleben? „Eigentlich nicht“, sagt Kiermayer, „noch besser war, dass ich diese Leistung in den Jahren danach noch bestätigt habe.“ Lang, sehr lang ist die Liste mit den Spitzenplatzierungen bei Welt- und Europameisterschaften, bei Weltcups und bei vier Olympischen Spielen.
Dass sie in ihrem letzten Jahr als Aktive nochmal Europameisterin geworden ist, das freut sie. Dass die Weltmeisterschaften in München anschließend weniger gut gelaufen sind, das hat die 42-Jährige abgehakt. Auch wenn es sie ein bisschen wurmt, dass in der Zeitung das mäßige Abschneiden bei der WM größer erschienen ist als der Triumph bei der EM.
Wehmut hat sie nicht gepackt nach dem letzten Wettkampf. Auch wenn sie mit Begeisterung von den schönen Seiten erzählen kann: Davon, wie traumhaft der Schießstand in Kairo liegt, auf dem die Sportler in Richtung der Pyramiden schauen; oder davon, wie begeistert die Zuschauer in Australien sind; oder von der Freude über die olympische Silbermedaille. Weiß sie, wo sie die Medaille hat? Sie muss kurz überlegen: „Die habe ich schon lange nicht mehr gesehen; ich glaube, die hat die Mama in den Safe getan.“
Nach den schönen kommen aber auch gleich die weniger schönen Geschichten: Die, in der die Sportler in Indien im Morgengrauen in einem klapprigen Bus zum zwei Stunden entfernten Schießstand geschaukelt werden; und das auch noch während des Monsun. Die, in der sich ein Wettkampf in der russischen Steppe über einen ganzen Tag hinzieht. Oder die, in der die Hotelfachfrau Susanne Kiermayer immer zwischen der Arbeit im elterlichen Betrieb und dem harten Training hin- und herspringen muss. Morgens Gäste versorgen, rein ins Auto und ab nach München, eine Trainingseinheit, Einkauf im Großmarkt, nochmal eine Einheit und abends wieder zurück, weil ja die Gäste warten.
Ein bisschen angenehmer wurde es 1996, als Susanne Kiermayer in die Bundeswehr eintrat, Mitglied einer Sportfördergruppe wurde. Und weil die Bundeswehr nicht nur dafür sorgt, dass die Mitglieder der Sportfördergruppen professionell trainieren können, sondern auch dafür, dass die Sportler nach ihrer aktiven Zeit nicht ohne Ausbildung dastehen, kommt jetzt wieder der silberne Hundepfoten-Anhänger ins Spiel. Parallel zum Sport hat sich Kiermayer in den vergangenen beiden Jahren um eine Berufsausbildung gekümmert. Die Kirchberger Tierärztin Karin Loibl hat sie auf die Idee gebracht: Tier-Physiotherapeutin, Spezialgebiet Hunde. Massagen und Reizstrom, Therapie im Wasser; so ziemlich alles, was dem Menschen beim Physiotherapeuten gut tut, kann auch dem Hund gut tun. Und wie zum Beweis klopft die Golden-Retriever-Hündin Pia mit ihrer langen Rute ganz begeistert, als ihr Susanne Kiermayer eine Massage verpasst.
Was früher ein Schwimmbecken für die Gäste im Amthof war, das ist jetzt ein Therapiebecken für die Hunde - natürlich auch beheizt; und am Beckenrand hängen die Schwimmwesten, die dafür sorgen, dass die Hunde wenig Kraft für den Auftrieb brauchen und so ganz locker paddeln können. Pia ist ein bisschen enttäuscht, dass sie jetzt nicht ins Becken darf, denn die Isolationsfolie schwimmt auf dem Wasser.
Tierärztin, das sei als Kind ihr Traumberuf gewesen, erzählt Kiermayer, und so ein bisschen kann sie sich diesen Traum jetzt erfüllen. Schützin? War nie ihr Traum. Aber die Karriere, die wurde dann traumhaft.


Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 10.09.2010