18.05.2012 - Sie sind hier: Aktuelles - Nachrichten
Kirchbergs Bürgermeister Alois Wenig hofft eine Entscheidung zugunsten einer Umgehung

Das Rathaus in Kirchberg ist energetisch saniert, und auch Bürgermeister Alois Wenig macht in seinem 15. Dienstjahr noch einen energiegeladenen Eindruck. Ein Gespräch über 2010, die Zukunft der Gemeinde und ein geheimes Fernziel.
Herr Wenig, macht Ihnen der Bürgermeisterjob nach so vielen Jahren eigentlich immer noch Spaß?
Wenig: Ja, ich finde es immer wieder schön, wenn man für die Bürger positive Dinge anstoßen und Ziele erreichen kann, die man sich gesetzt hat. Das ist der Reiz.
Wie war in dieser Hinsicht das Jahr 2010 für Sie?
Was wir zusammen erreichen durften, kann sich durchaus sehen lassen. Die großen Brocken sind abgearbeitet, wie Schul- und Sporthallenbau. Die Kläranlage in Kirchberg ist auf dem neuesten Stand. Rund 15 Millionen Euro wurden in den zurückliegenden Jahren investiert. Hinzu kamen als neue Maßnahmen die energetische Sanierung des Rathauses, die Kindergartenerweiterung, und natürlich das enorme Straßenbauprojekt von Höllmannsried zur REG 5, mit einer Gesamtlänge von 2,4 Kilometer.
Nach den großen Investitionen der letzten Jahre, wie steht es um die Schulden der Gemeinde?
Unsere Schulden betragen aktuell rund 6,6 Millionen Euro, das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1640 Euro. Das liegt unter dem Landkreisdurchschnitt. Man muss dazu sagen, dass wir 2007 noch 9,3 Millionen Euro Schulden hatten. Mit 2010/11 enden die großen Investitionen. Jetzt müssen wir schauen, dass wir wieder in normales Fahrwasser zurückkehren.
Was sind denn die Projekte, die heuer anstehen?
Neubau Dorfkulturhaus und Kläranlagensanierung in Untermitterdorf, zudem Straßen- und Kanalsanierung und Investitionen in die Wasserversorgung - das sind Themen, die wir angehen werden.
Es stehen ja in der Gemeinde Gebäude leer, gibt es da neue Pläne?
Die Hauptschule in Kirchberg ist sicher ein Problem, das wir 2011 lösen müssen. Derzeit steht schon fest, dass wir einen Teil veräußern können: Es werden Praxisräume für Ergo- und Sprachtherapie entstehen. Auch für den weiteren Bereich Schule zeichnet sich eine Lösung ab: Wir sind mit einem Investor im Gespräch, der dort Betreutes Wohnen anbieten will.
Und wie sieht es mit der alten Sporthalle aus?
Das ist wahrscheinlich das größte Problem. Wegen der Größe des Gebäudes ist es extrem schwer, dass wir einen Investor finden, der sich da herantraut. Da bräuchten wir einen absoluten Glückstreffer. Es könnte durchaus sein, dass wir die Halle abreißen müssen.
In Untermitterdorf gibt es ebenfalls viele leer stehende Gebäude...
Das stimmt. Mit dem Dorfkulturhaus wollen wir das Dorfzentrum wieder beleben. Gebäudeleerstand wird generell eines der Kernprobleme in unseren Dörfern aller Gemeinden werden. Die Dorferneuerung für Untermitterdorf wäre daher in meinen Augen ganz wichtig. Der Schnellschuss beim Umbau des Kriegerdenkmales durch den Soldaten- und Kriegerverein war für die Ausarbeitung eines Gesamtkonzeptes für die Ortsmitte nicht dienlich. Das hat uns das Amt für Ländlichen Entwicklung zu verstehen gegeben. Wir müssen 2011 Gespräche mit dem Amt führen, ob eine Dorferneuerung überhaupt noch möglich ist.
Aber es gibt ja in Ihrer Gemeinde auch Beispiel, wie man es besser macht...
Ja genau. Die Dorferneuerung in Zell ist wunderbar gelungen. Da sieht man, was gehen kann, wenn alle im Dorf zusammenarbeiten. Wir haben den Dorfplatz , das Kirchenumfeld und den Dorfanger neu gestaltet. Die Bachfreilegung ist bestens gelungen - gerade für Kinder eine tolle Sache.
Eine wichtige Sache für Jugendliche ist das Handy - in Kirchberg herrscht aber seit Anfang Dezember Funkstille.
Wir haben an die Telekom bereits einige Alternativ-Standorte weitergeleitet - mehr können wir da im Moment nicht tun. Das Gemeinde-Grundstück in Unterneumais ist wegen massiver Ablehnung durch die Dorfgemeinschaft auch aus unserer Sicht für einen Funkturm nicht relevant. Es gibt durchaus geeignete Standorte, aber es müsste auch von der Telekom die Bereitschaft vorhanden sein, in Stromversorgung oder Wegebaumaßnahmen zu investieren. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich hier bald etwas tun wird.
Was ist für Sie in den nächsten Jahren für die Entwicklung von Kirchberg entscheidend?
Die ganz große Aufgabe für uns als Gemeinde ist es, der Jugend hier Heimat und Zukunftsperspektive zu bieten. Und da sehe ich das Endlos-Thema Ortsumgehung als ganz entscheidend an. Der Naturschutz ist uns wichtig, aber allein davon können wir nicht leben. Wir brauchen die großen mittelständischen Betriebe. Arbeitsplätze verlangen nach einer guten Infrastruktur - das heißt, ordentliche und zeitgemäße Straßenanbindungen. Mesutronic und Jander haben das in Gesprächen immer wieder sehr deutlich gesagt. Hier geht es um Hunderte von Arbeitsplätzen.
Wie sieht die Situation im Moment aus?
Derzeit fehlen dem Landkreis noch einige Grundstücke. Zwei Besitzer weigern sich standhaft, diese zu verkaufen. Deshalb ist die ganze Sache vor dem Verwaltungsgericht in Regensburg gelandet. Ich hoffe, dass der Landkreis 2011 auf ein Gerichtsurteil pocht. Die Geduld ist in Kirchberg zu Ende.
Und wie glauben Sie, dass dieses Urteil ausfällt?
Ich bin optimistisch. Denn ich glaube nicht, dass zwei Leute dieses wichtige Projekt aufhalten können. Auch muss man dabei sagen, dass es nicht nur um die örtlichen Betriebe alleine geht, sondern dass viele Bürger wegen des deutlich angestiegenen Schwerlastverkehrs durch unsere Gemeinde massiv unruhig geworden sind.
Es gibt also gut zu tun. Werden Sie also bei der nächsten Wahl 2014 noch einmal kandidieren?
Ja, beim nächsten Mal sicherlich noch. Im Gemeinderat arbeiten wir über die Fraktionsgrenzen hinweg derzeit wirklich gut zusammen. Ein kleines Fernziel habe ich noch immer im Hinterkopf.
Und das wäre?
Ein Natur- und Badeweiher. Ich denke dabei nicht nur an Touristen, sondern gerade auch an die Lebensqualität vor Ort. Aber ein solches Vorhaben ist momentan finanziell noch nicht realisierbar...
Das Gespräch führten Caroline Holzschuher und Dominik Schweighofer.
Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 13.01.2011






