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Ein Leben im Glauben

Eine traurige Nachricht aus Santiago, der chilenischen Hauptstadt, erhielt kurz vor Weihnachten Alfred Augustin in Kirchberg. Die Tante, Schwester Berta Augustin vom Orden der Congregatio Jesu, war am 7. Dezember im gesegneten Alter von 98 Jahren nach zuletzt schwerer Krankheit gestorben.
Am Dreikönigstag gedachte die St.-Gotthardpfarrei in einem Pfarrgottesdienst der verstorbenen Ordensfrau. Zum Rorate waren auch die ehemals in Kirchberg tätigen Schwestern Gottlinde Maierhofer, Roswitha Schmid, und die Geistlichen Erwin Böhmisch und Josef Stallinger gekommen. Mit Pfarrer Bernhard Saliter und Diakon Alfons Kopp feierten sie gemeinsam das Messopfer.
Dass die Nachricht vom Ableben Schwester Bertas nicht nur die engere Verwandschaft bewegt wurde, zeigte die große Anteilnahme der Bevölkerung. Pfarrer Stallinger, der bis zuletzt noch in brieflichem Kontakt mit der Verstorbenen stand, zeichnete in seiner Ansprache das Porträt der Missionsschwester, die er in seiner Kirchberger Zeit bei ihren Heimatbesuchen kennen gelernt hatte.
Schwester Berta, 1913 in Reichertsried als Katharina Augustin geboren, ist zusammen mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Als Katharina gerade zehn Jahre alt war, verstarb die Mutter. Nach der Schulzeit war sie im Kloster der Englischen Fräulein in Waldkirchen als Hausmädchen beschäftigt. Am 22. März 1934 trat sie als Novizin dem Orden der Maria-Ward-Schwestern, der heutigen Congregatio Jesu, bei. 1936 legte sie in Altötting mit der Ewigen Profess die Ordensgelübde ab. Dem Druck durch die kirchenfeindliche NS-Diktatur auf die Orden und ihre Schulschwestern entkam sie durch die Entsendung in den Missionsdienst nach Chile. Das südamerikanische Land war damals gerade von einem furchtbaren Erdbeben heimgesucht worden.
Von den 76 Jahren ihres Ordenslebens wirkte die Klosterfrau 58 Jahre lang als Lehrerin in San Carlos, in Antofagasta, San Ignazio, wo sie mit ihren Mitschwestern ein neues Kloster aufbaute und in Chillan. Im fortgeschrittenem Alter von 82 Jahren ging Schwester Berta 1995 in den Ruhestand, den sie in einem Schwesternheim in der Hauptstadt Santiago verbrachte.
Stallinger: Schwester Berta sei in ihrem Leben so wie es die Weisen getan hatten, dem Stern, den sie bei ihrer Suche nach Gott aufgehen haben sehen, gefolgt. Tief beeindruckt von ihrer gewinnenden Wesensart, ihrer Offenheit und Herzensgüte waren die Menschen, die ihr begegnen durften. Schwester Berta habe eine Art von Lebensfreude, Spontanität und Temperament gezeigt, wie sie meist nur dem südländischem Naturell zugeschrieben wird.
Auch nach dem letzten Urlaub 1995 in der Heimat blieb sie mit Verwandten und der Pfarrgemeinde noch bis wenige Wochen vor ihrem Tod in ständigem Kontakt. In einem ihrer letzten Briefe hatte sie noch geschrieben: "Mein geliebtes Kirchberg schau ich mir erst vom Himmel aus wieder an.
Am Schluss des Gedenkgottesdienstes würdigte auch Bürgermeister Alois Wenig die gebürtige Kirchbergerin. Schwester Berta sei ein Paradebeispiel für gelebte Nächstenliebe. "Damit gehört sie ins Weltbuch der Mitmenschlichkeit", stellte das Gemeindeoberhaupt fest.
Abschließend richtete Alfred Augustin, Neffe der Verstorbenen, seinen Dank an alle, die seiner Tante seit Jahren freundschaftlich verbunden waren. Sr. Roswitha und Sr. Gottlinde hatten ihr bei den Heimataufenthalten im Kirchberger Kloster Aufnahme gewährt und sie in der weiteren Zukunft immer wieder mit Hilfspaketen unterstützt. Auch Pfarrer Erwin Böhmisch hätte die Verbindung nie abreißen lassen. Insbesondere Pfarrer Stallinger habe sich als großherziger Freund der Schwestern gezeigt. Ebenso tat der derzeitige Pfarrer Bernhard Saliter alles, um die guten Verbindungen nach Chile aufrecht zu erhalten.
Dafür, dass Schwester Berta und Schwester Gerburgis, ebenfalls eine Kirchbergerin, die in Chile gewirkt hatte, den Kirchbergern in Erinnerung bleiben, hat der Mütterverein gesorgt. Auf seine Veranlassung wurden die Namen der beiden Ordensfrauen auf der Gedenktafel an der Kirchturmmauer eingraviert. Wie schmerzlich der Verlust auch für die Angehörigen ist, machte Augustin in seiner abschließenden Bemekung deutlich: "Der letzte Brief von Tante Berta kam 14 Tage vor ihrem Heimgang zu Gott an. Ich muss offen gestehen, die Briefe aus Chile werden mir, werden uns künftig sehr fehlen."
Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 13.01.2012






