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Ein Dorf putzt sich raus

Ein bisschen hätten die Altnußberger in den letzten Wochen schon in Zell spioniert − das meint zumindest Klaus Eder zu wissen. Eder ist Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege und für den Dorfwettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden − Unser Dorf hat Zukunft“ als Vorsitzender der Kreiskommission im Landkreis unterwegs. Zell und Altnußberg sind dabei die direkten Konkurrenten. Beide treten in der Kategorie A (unter 600 Einwohner) „mit Dorferneuerung“ an. Nachbarschaftliche Spionage kann da sicherlich nicht schaden. Und eines ist klar: Zu sehen hätten die Altnußberger einiges bekommen...
Bayern wie aus dem Bilderbuch: Die Zeller Alphornbläser machen sich am Dorfplatz unter weiß-blauem Himmel bereit für ihren Auftritt. Sie begleiten die Jury mit ihrer Musik beim Dorfrundgang.  
Bayern wie aus dem Bilderbuch: Die Zeller Alphornbläser machen sich am Dorfplatz unter weiß-blauem Himmel bereit für ihren Auftritt. Sie begleiten die Jury mit ihrer Musik beim Dorfrundgang.
Davon kann sich auch die Jury des Dorfwettbewerbs bei ihrem eineinhalbstündigen Rundgang durch Zell überzeugen. Los geht es am neu gestalteten Dorfanger. Zur Begrüßung Alphörner. Sechs Männer und Frauen blasen kräftig in ihre Instrumente. In Kombination mit dem weiß-blauen Himmel ein perfekt-bajuwarischer Start für die Zeller. Mit der Dorferneuerung ist der Anger zu einem echten Treffpunkt für die rund 250 Dorfbewohner geworden. Der zum großen Teil verrohrte Bach wurde wieder freigelegt. Jetzt plätschert er idyllisch neben der Straße vor sich hin. Ein natürlicher Abenteuerspielplatz für die Kinder.
Für die Erwachsenen lädt eine neu errichtete Sitzgruppe zu einem Ratsch oder einem gemütlichen Feierabendbier ein. „Das hier ist eigentlich die Keimzelle der Dorferneuerung. Auf diesen Bänken wurden sämtliche Entscheidungen besprochen“, weiht Gerhard Penn, Kirchbergs 3. Bürgermeister und gebürtiger Zeller, in die Dorfinterna ein. Am Anger wurde auch das Konzept, möglichst ganz auf Gartenzäune zu verzichten, und wenn doch nötig, sie fachgerecht zu begrünen, am eindrucksvollsten umgesetzt.
Nächste Station Dorfplatz: Der wurde im Zuge der Dorferneuerung komplett umgestaltet. „Ich finde, dass der Platz dadurch sehr gewonnen hat“, sagt Gerhard Penn, und erntet damit heftiges Kopfnicken von Seiten der Jury. Das Kriegerdenkmal, zuvor das prägende Element des Dorfplatzes, wurde zur Kirche hin umquartiert. Es entstand eine größere Grünfläche, auf der nun ein Mönch, geformt aus Bayerwaldgranit, aus einer Quelle trinkt. Die Skulptur soll die Besiedlungsgeschichte von Zell symbolisieren, wie Gerhard Penn der Jury erklärt.
Besonders stolz sind die Zeller auf ihre denkmalgeschützte Dorfkapelle, die sie in Eigenregie renoviert haben. So wurde die Schindelbedachung erneuert. Statt der bisher benutzten Schindeln aus Fichtenholz nahm man jedoch Lärchenschindeln − die sind haltbarer. Eine dörfliche Gemeinschaftsleistung, die die Jury sichtlich beeindruckt.
Auch der neue Platz für das Kriegerdenkmal bei der Kirche kommt bei der achtköpfigen Jury gut an. „Ein würdiger Platz“, ist die allgemeine Meinung. „Hier ist es wirklich ein Denkmal und kein Schaumal mehr.“ Von der Kirche geht es über das Jugendheim, wo sich die „Schnullerbande“ − eine Gruppe von jungen Zeller Müttern mit ihren Kleinkindern − vorstellt, weiter zum Spielplatz. Der ist zwar noch der alte, aber immerhin gibt es schon konkrete Baupläne für einen großen neuen. Den Kindern soll es gut gehen, das ist den Zellern wichtig.
Eine echte Besonderheit des Dorfes ist das seit dem Ende des 18. Jahrhunderts intakte Brunnen- und Wasserleitungsnetz. Fast jedes Anwesen in Zell hat seinen eigenen kleinen Brunnen. Im Zuge der Dorferneuerung wurden nun auch die Teile erneuert, die unter dem Asphalt liegen.
„Ihr habt euer Dorf sauber beieinand’“, lobt Klaus Eder beim abschließenden Kuchenessen die Zeller. „Die Dorferneuerung hat deutliche Spuren hinterlassen.“ Spricht’s, trinkt seinen Kaffee aus und verschwindet mit dem Rest der Jury zur Konkurrenz nach Altnußberg . . .
Die Jury von „Unser Dorf hat Zukunft − Unser Dorf soll schöner werden“ entscheidet heute Vormittag über die Sieger des Wettbewerbs. Wie die Sieger-Dörfer heißen, das erfahren Sie ganz aktuell auf pnp.de oder morgen, Freitag, in Ihrem Bayerwald-Boten.
Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 09.06.2011






