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Aus Shanghei nach Höllmannsried

Höllmannsried. Diesen strahlend blauen Himmel wird Huai Mengdi nicht so schnell vergessen. Die vielen Bäume und Blumenwiesen ebensowenig − und den unglaublich langen Maibaum. Die 17-jährige Chinesin nimmt viele neue Eindrücke mit nach Hause in die Millionenstadt Jiangyin im Speckgürtel der Multimillionenstadt Shanghai. Zwölf Tage war die Chinesin Gastschülerin in der Familie von Karin Ertl (16) in Höllmannsried. Heute sitzt sie mit ihren 16 Mitschülern und sechs Lehrern schon wieder im Flugzeug Richtung Fernost. Spannende Tage in einer völlig exotischen Welt liegen hinter der Truppe.
Wie kommt eine 17-jährige Chinesin in ein Dorf im Bayerwald? Das Robert-Koch-Gymnasium in Deggendorf, wo Karin Ertl aus Höllmannsried in die 10. Klasse geht, ist „schuld“. Die Schule pflegt seit zehn Jahren eine Partnerschaft mit der Senior Highschool Jiangyin.
Leberkäs-Brotzeit in rustikaler Umgebung
Aber Karins Austausschülerin Huai Mengdi ist nicht die einzige Chinesin, die die vergangenen zwölf Tage im Landkreis Regen verbracht hat. Auch ihr Klassenkamerad Jürgen Probst (16) aus Seiboldsried hat einen Gastschüler aus dem Reich der Mitte. Weil dessen Mutter das Historische Waldferiendorf Dürrwies managt, bekamen die jungen Chinesen authentischen Geschichts- und Erdkundeunterricht: Brigitte Probst führte die jungen Chinesen und ihre bayerischen Austauschpartner durch das Feriendorf nahe Bischofsmais und erläuterte ihnen, wie die Menschen im ausgehenden 18. Jahrhundert in der Region gelebt haben.
Nicht nur der rustikale Charme in den urigen Holzhäusern kam bei den Chinesen sehr gut an. Auch die Leberkäs-Brotzeit war ganz nach ihrem Geschmack. Überhaupt hatten sie keine Probleme mit der bayerischen Küche. Auch Weißwürste trafen den Geschmack der Exoten − denen Essen mit Messer und Gabel gänzlich unbekannt war. Die angebotenen Stäbchen lehnte Jürgen Probsts Austauschpartner Zhang Xiangyu aber dankend ab - und pflegte eine ganz eigene Methode, die deutschen und bayerischen Gerichte zu verspeisen: Mit der Gabel spießte er sein Schnitzel auf und knabberte es rundherum ab.
Aber nicht nur die Chinesen lernten viel Neues: Im Hause Ertl in Höllmannsried gab es dieses Jahr zum Muttertag exotische Speisen. Gastschülerin Huai Mengdi und Gao Xin (15), die bei Lena Hundsrucker, ebenfalls Schülerin der 10c in Plattling gewohnt hat, bekochten ihre Gast-Mamas samt Familien. Vier Stunden standen sie in der Küche, um unter anderem Shrimps mit Eiweiß, Sparerips mit Reiswein und Blumenkohl mit Hackfleisch zuzubereiten. Per Email hatte sich Huai Mengdi bei ihrer Mama die Rezepte samt Einkaufsliste organisiert. Die Chinesinnen waren ganz schön nervös, ob ihre Speisen auch ankommen − und sehr erleichtert, als sie sahen wie gut es den Bayern schmeckte.
Ausflüge undKunstprojekte
Ein solcher Familientag war allerdings während des fast zweiwöchigen Austauschs die Ausnahme. Die Truppe hatte ein straffes Programm zu absolvieren: Stadtführung in Deggendorf mit Besichtigung der Fachhochschule, Bayerwald-Rundfahrt, Ausflüge nach München, Regensburg, Passau und zum Chiemsee, Sport- und Kunstprojekte an der Schule.
Für regulären Unterricht blieb da, abgesehen von den Englisch-Stunden, gar keine Zeit − auch nicht für ihre bayerischen Gastgeber, die immer mit von der Partie waren. Die jungen Bayern haben ihre aufregende Reise in eine fremde Welt noch vor sich: Ende Oktober starten sie zum 14-tägigen Gegenbesuch in China.
Ihre Reiseeindrücke werden sich wohl gewaltig von denen der jungen Chinesen unterscheiden. So wenige Häuser − und so viel Natur − so etwas hatte die 17-Jährige Huai Mengdi vor ihrem Besuch in Bayern noch nie gesehen. Dass eine einzige Familie wie die Ertls in Höllmannsried ein so großes Haus bewohnt, in dem jeder ein eigenes geräumiges Zimmer hat, auch das konnte die junge Bewohnerin einer chinesischen Millionenstadt erst gar nicht fassen − genausowenig wie die Länge des Maibaums im Dorf. Der muss doch aus mehreren Einzelbäumen zusammengesetzt worden sein, vermutete das Mädchen, das nie zuvor einen so langen Baum gesehen hatte.
Auch der Himmel über Höllmannsried wird ihr in besonderer Erinnerung bleiben − mit seinem unglaublich strahlenden Blau am Tag, und den Unmengen an Sternen in der Nacht. Die hat sie zu zählen versucht und musste kapitulieren − trotz schier unerschöpflicher asiatischer Geduld.
Bericht aus dem Bayerwald-Boten vom 13.05.2011






